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Equal Pay: Oder was wir Frauen uns wert sind

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Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Bereits zum zehnten Mal findet in diesem Jahr der „Equal Pay Day“ am 18. März statt. Er markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt aktuell in Deutschland 21 und in Bayern sogar 24 Prozent beträgt.

Diese Differenz entspricht einem Zeitraum von 77 Tagen, das bedeutet, dass wir Frauen bis zum 18. März umsonst arbeiten! Das ist aus meiner Sicht schon schlimm genug, aber einer der schlimmsten Folgen, ist die zu erwartenden hohe Altersarmut. Denn sie betrifft vor allem Frauen, die Rentenlücke beträgt immerhin 57 Prozent, und sie wird voraussichtlich weiter wachsen.

Ist Frauen eine gute Bezahlung tatsächlich nicht so wichtig?

 

Aufgrund dieser Tatsache kann man auch schließen, dass eine gute Bezahlung Frauen nicht so wichtig ist. Auch ich habe mir lange keine Gedanken darüber gemacht, was ich verdienen möchte, ganz davon abgesehen, ob ich im Alter einmal genügend Geld zur Verfügung haben würde. Sicherlich habe ich mir einmal im Jahr überlegt, wenn die jährlichen Beurteilungsgespräche anstanden, was wohl meine Kolleginnen verdienen und habe mich dann mit ihnen verglichen. Das hat mich dazu bewogen, mehr Gehalt zu verlangen. Aber einen wirklichen Plan dahinter hatte ich nicht. 

 

Bringen wir es auf den Punkt: Ich gehörte zu den Frauen, die sich über den Wert ihrer Arbeit, über ihre berufliche Entwicklung und über ihre finanzielle Zukunft, kaum Gedanken machen.

Was hat sich in den letzten 30 Jahren geändert ?

Das ist fast 30 Jahre her. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Situation von Frauen verändert – Mädchen und Frauen studieren heute und sind mittlerweile so gut wie in allen Bereichen der Berufswelt tätig, auch dort, wo einst nur Männer arbeiteten.

Sehr viele Frauen können es sich heute nicht mehr vorstellen, nicht arbeiten zu gehen. Schließlich ist der Beruf auch eine Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit zu entfalten, seine Interessen zu verwirklichen - und vor allem, finanziell von anderen Menschen unabhängig zu sein und damit freier über sein Leben bestimmen zu können. Aber an einer Tatsache kommen wir nicht vorbei: Frauen verdienen in Deutschland bis zu ein Viertel weniger Geld!

Es gibt verschiedene Gründe für eine schlechtere Bezahlung

Es gibt verschiedene Gründe für die schlechtere Bezahlung: Zum einen sind es Vorurteile, die sich hartnäckig halten wie: "Männer sind die Ernährer der Familie“, „Frauen sind weniger produktiv als Männer“, „Frauen können sich nicht durchsetzen und sind deshalb für Führungspositionen nicht geeignet" - oder eben, dass sie ohnehin irgendwann ausfallen oder kürzer treten, weil sie Mutter werden. Und natürlich nicht zu vergessen, arbeiten sehr viele Frauen in den schlecht bezahlten Dienstleistungsberufen, wie zum Beispiel in der Pflege.

96 % der Frauen wünschen sich finanzielle Eigenständigkeit

Aber leider erlebe ich in meinen Workshops und Coachings heute, die gleiche Situation wie bei mir damals: Immer noch machen sich Frauen kaum Gedanken über ihren (Selbst)Wert und fordern daher auch kein höheres Gehalt. Für sie ist alles was sie tun selbstverständlich, und über Ihre Stärken und über Geld zu sprechen, bedeutet für die meisten eine zu große Hürde. Und das obwohl sie den Gleichstand in der Ausbildung erreicht haben und 96 % der Frauen sich finanzielle Eigenständigkeit wünschen.

Aber aus eigener Erfahrung ist mir jedoch klar, dass man kein höheres Gehalt einfordert, wenn man sich seines Selbstwertes nicht bewusst ist. Stattdessen arbeitet man weiter fleißig vor sich hin und wartet darauf, irgendwann „entdeckt“ zu werden. Unser Selbstwert ist die Basis für unser Selbstwertgefühl. Jeder Mensch ist einzigartig und hat ganz persönliche Stärken, Talente und Potenziale. Diese zu erkennen und sich bewusst zu machen, daraus entsteht das Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen. Denn wenn ich mir meines Wertes bewusst bin, dann ist es aus meiner Sicht völlig legitim, dass ich meine Leistungen und mein Können kommuniziere, und dazu gehört auch, mein Gehalt oder auch Honorar entsprechend zu verhandeln.

Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende (Demokrit, griechischer Philosoph)

Ich denke einige von Ihnen ahnen bereits worauf ich hinaus möchte: Ich möchte Sie alle ermutigen! Wir müssen wenn es um unsere finanzielle Zukunft geht, umdenken und mutiger werden und ins Handeln kommen! Dazu gehört, dass wir unsere Arbeit als nicht „selbstverständlich“ betrachten und anfangen, ganz bewusst über Geld zu sprechen und es auch einzufordern, egal ob privat oder beruflich.

Übriges, ich bin alleine auch nicht aus diesem Hamsterrad gekommen. Sondern, ich habe mir damals eine gute Coachin gesucht und gleich einen Glaubenssatz über Bord geworfen "Alles alleine machen zu müssen".

Zum Abschluss möchte ich Sie einladen: Kommen Sie am 18. März von 15 Uhr bis 17 Uhr auf den Marienplatz in München.

Der „EQUAL PAY DAY“ in München steht dieses Jahr unter dem Motto: „Endlich partnerschaftlich durchstarten“ Dazu haben sich 46 Kooperations- und Bündnispartnerinnen zusammen gefunden. Es erwartet Sie ein sehr interessantes Programm mit Interviews und Vorträgen bei dem auf einer großen Bühne viel über unsere Werte und Geld gesprochen wird. Ich werde das FidAR Süd Komitee e.V. repräsentieren und an einer roten Schärpe zu erkennen sein.

Freue mich auf ein Wiedersehen und Kennenlernen!

Herzliche Grüße
Angelika Vavala