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Wenn einer eine Reise macht....

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Liebe Leserinnen und Leser!

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“, dieses Zitat kennt wohl jeder!

Bevor ich in wenigen Tagen in den Urlaub fahre, möchte ich Ihnen ein bisschen von meiner letzten Reise erzählen. Mein Mann hatte schon längere Zeit den Plan, die Tennis-Weltmeisterschaft für Senioren Ende Juni in Helsinki zu spielen. Und ich hatte mich entschlossen mitzufahren, um diese Stadt, von der ich viel Gutes gehört und gelesen hatte, in Ruhe kennenzulernen.

 

Um es vorweg zu nehmen: Ich wurde wirklich sehr positiv überrascht von dieser Stadt. Zum einen sind alle viel ruhiger und gelassener, was beim Autofahren, in den Restaurants, Cafés, Supermärkten, Ausflugszielen und Märkten zu spüren ist. Zum anderen ist der Umgang der Menschen miteinander, beispielsweise in den Restaurants völlig entspannt, wahrscheinlich einer der Gründe dafür, dass ich noch nie so viele Familien mit Kleinkindern angetroffen habe.

Wirklich beeindruckt war ich, dass ich während unserer täglichen Busfahrt in das Tenniscenter mindestens genauso viele Männer am Morgen mit Kinderwägen gesehen habe wie Frauen. Und aus dem Staunen bin ich dann nicht mehr herausgekommen, als ich gesehen habe, wie viele Männer mit ihren Kindern tagsüber unterwegs waren beziehungsweise sich mit anderen Männern und Frauen in Cafés oder in Parks getroffen haben. Dort wird die Gleichberechtigung also selbstverständlich gelebt, was diese Fakten und Zahlen untermauern:

• Die Gleichberechtigung steht in der Politik weit oben
• 94 % der großen und 57 % der kleinen und mittleren Unternehmen haben bereits einen Gleichstellungsplan
• Der Beschäftigungsunterschied zwischen Männern und Frauen ist in Finnland am geringsten
• 80 % der Väter beanspruchen Vatertage, und 18 % nehmen ihren „Quotenmonat”
• 70 % haben flexible Arbeitszeiten, - 20 % können von zu Hause aus arbeiten.

Tief beeindruckt hat mich eine weitere Beobachtung. Unweit von unserem Hotel fand mitten in der Stadt anlässlich des Mittsommerfestes ein großes Straßenfestival statt. Sehr viele Menschen – auch wir – hatten es sich auf den großen Grünflächen bequem gemacht und tranken gemütlich ihr Bier oder ihren Sekt. Dann sah ich einen Mann mit einem großen Plastiksack. Sofort dachte ich: „OK er wird wahrscheinlich so wie einige Obdachlose und andere Bedürftige bei uns im Müll nach Pfandflaschen suchen!“. So war es nicht. Die Besucher hielten ihre Flaschen hoch und gaben sie dem Mann mit einem Lächeln. Ich kann meine Gefühle kaum beschreiben, aber was ich da gesehen habe, hat mich zutiefst berührt und gefreut. Für mich ist das ein Beispiel gelebter Wertschätzung denen gegenüber, die eine vermeintlich geringere Stellung in unserer Gesellschaft haben. Und es ist ein Beispiel, dass Wertschöpfung durch Wertschätzung wirklich funktionieren kann, denn wir alle haben soviel zu geben und der Aufwand ist meistens sehr gering.

Mein Fazit: Es ist immer wieder gut seine eigene Wahrnehmung zu schärfen – auch im Urlaub. Natürlich gibt es auch bei uns gute Ansätze, aber es lohnt sich bei unseren Nachbarn über den Zaun zu schauen und von ihnen zu lernen!

Nun wünsche ich Ihnen noch entspannte und sonnige Sommertage, ab 12. September bin ich wieder für Sie da.

Herzliche Grüße
Angelika Vavala