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Blog: Schubladen im Kopf – Oder wie Vorurteile unser Denken bestimmen

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Liebe Leserinnen und Leser,

jetzt ist es wirklich an der Zeit, dass ich kundtue was ich so treibe in meiner neuen/alten Heimat und wie es mir so geht.

In meinem letzten Newsletter hatte ich geschrieben, dass mein Mann und ich eine große Veränderung in unserem Leben vornehmen und München verlassen und in meine Heimat nach Hof ziehen.

Um es vorneweg zu nehmen, es geht mir sehr gut. Der Umzug hat ganz gut geklappt. Ich denke jeder von uns hat Erfahrung damit, dass trotz guter Planung, das eine oder andere Möbelstück oder Accessoires dann nicht passt und ersetzt werden muss. Aber nun ist fast alles in unserer neuen Wohnung fertig und wir fühlen uns pudelwohl.

Auch ist etwas Routine in unser Arbeitsleben wieder eingekehrt. Mein Mann und ich arbeiten meist zwei bis drei Tage in München und fahren dann nach Hause. Eine Lösung die uns gut gefällt und zu unserem Lebensstil passt.

Es wäre fast alles perfekt, wenn mir nicht aufgefallen wäre, dass ich in Hof immer wieder gefragt werde: „Wie kann man von München nach Hof ziehen?“ In Hof sei doch im Vergleich zu München nichts los. Oder ich werde gefragt: „Sind Sie freiwillig nach Hof gezogen?“. Ich ertappte ich mich dabei, dass ich begann mich über dieses Vorurteil zu ärgern und dass ich begann mich zu rechtfertigen.

Was steckt hinter Vorurteilen?

Wieso ärgern wir uns darüber, wenn jemand unsere Entscheidungen in Frage stellt? Keiner mag es beurteilt zu werden. Wenn wir beurteilt werden, fühlen wir uns eingeschränkt und klein. Keiner will sie haben, dennoch jeder hat sie: Vorurteile. Schublade auf, Meinung rein, Schublade zu.

Juliane Degner ist Professorin für Sozialpsychologie an der Uni Hamburg. Vorurteilsforschung gehört zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten, sie hat folgende Erklärung dafür: „Wir haben sie in der Tat und wir benötigen sie, weil wir als Menschen ein kleines Gehirn haben, das effektiv arbeiten muss. Um effektiv Informationen zu bearbeiten, die uns entgegen kommen im sozialen Miteinander, müssen wir vereinfachen. Wir machen das, indem wir Menschen in gewisse Gruppen einordnen und das Wissen abrufen, was wir über die Gruppen haben.“ Denn Vorurteile erleichtern die Denkarbeit.

Und so erkläre ich mir, dass es anscheinend bei einigen Menschen ein (unbewusstes) Vorurteil darüber gibt, dass man von München nicht nach Hof zieht, dass hier in Hof (vermeintlich) nicht so viel los ist. Leider schränken unsere Vorurteile unsere Wahrnehmung ein, wir sehen und hören nur noch das, was zu unseren Vorurteilen passt und verpassen dadurch viel Freude und Lebensqualität.

Denn wie Sie sich vorstellen können, habe ich eine andere Wahrnehmung von Hof. Hier ein kleiner Auszug: wenig Verkehr, überschaubares Angebot, freundliche und aufmerksame Verkäuferinnen und Bedienungen, sehr schöne Bars und Kneipen, in denen es wunderbares Bier und Brotzeiten und Live-Musik gibt, eine wunderbare Natur mit schönen Wanderwegen und die Einsamkeit und Stille genießen kannst.

Wie können wir auf Vorurteile reagieren?

Achte auf deine Gefühle. Wenn Du dich betroffen fühlst, hole tief Luft und gewinne etwas Abstand.

Akzeptiere, dass das, was gesagt wurde, nichts mit dir zu tun hat. Die Meinung oder die Worte anderer definieren dich nicht. Zu einem späteren Zeitpunkt kannst du nachfragen und deinen Blickwinkel dem anderen offenbaren, so dass er eine authentischere Wahrheit zu sehen bekommt.

Und obwohl wir es alle tun, gibt es eine Sache, bei der wir ganz deutlich sein sollten: Wenn du nicht bewertet werden willst, dann vermeide es, andere zu bewerten.

Bis bald, Ihre Angelika Vavala